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Das Herz schlägt grün Oktober 4, 2013

Posted by Hinterhofderfantasie in Allgemein.
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Kürzlich las ich den Roman »Aetherherz« von Anja Bagus. Als Steampunk angekündigt, stolperte ich schon relativ schnell über die Schwierigkeit, den Roman tatsächlich dem Genre zuzuordnen. Den anders als im Steampunk ist hier der Aether offensichtlich die treibende Kraft. Zwar ist Aether in der Steampunkwelt ebenfalls ein Faktor, jedoch nicht als Kraftstoff. Nennen wir das Genre also »Aetherpunk« und widmen uns dem Roman selber. Heldin ist eine junge Frau, die auf den Namen Annabelle Rosenherz hört. Sie lebt in Baden-Baden, ein Sammelbecken der Reichen und Schönen im Jahr 1910. Die Autorin versucht gleich zu Beginn, eine emotionale Nähe zwischen Leser und Protagonistin aufzubauen, indem sie dem Leser Annabell als Opfer der Gesellschaft präsentiert. Ich fühlte mich hier stark an Sally Lockhardt, die Heldin aus den Rubin-im-Rauch Büchern, erinnert. Annabells Vater, ein reicher Archäologe, ist verschwunden und hat seine Tochter mit der Haushälterin zurückgelassen. In der Gesellschaft des fiktiven Großherzogtums Baden ist dies ein gewaltiges Problem. Solange der Vater nicht als tot erklärt ist, hat Annabell keine Zugang zum Vermögen. Doch auch wenn sie ihren Vater für tot erklären lässt, so ist der Zugang eingeschränkt. Nur eine Heirat, und damit einhergehend die Übertragung des Vermögens an den Mann, kann ihr diesen Zugang ermöglichen. Ein moralisches Dilemma; denn weder will die Tochter den Vater aufgeben, noch gibt es einen Heiratskandiaten. Man ahnt es, hier liegt einer der drei Handlungstränge des Buches, die Suche, bzw. das Zusammenführen, der Liebenden. Ein weitere Strang ist ein klassischer und straffer Kriminalfall. Es geht um augenscheinlich hochgradig gefährliche Süßigkeiten, die Menschen in Abhängig bringen und sogar tödlich sein können. Ein weiterer Handlungstrang ist eine Verschwörung, die nicht nur letztendlich Annabell bedroht, sonder das ganze Großherzogtum. Und es gibt eine Metabene, die von Toleranz und Xenophobie erzäht, vom Umgang mit dem Andersartigen und der Ohnmacht des Einzelnen.
Was mir gut gefällt ist die Art, in der Anja Bagus die Stilelemente des Steampunk in ihre Welt integriert hat und daraus reichlich Konflikte für ihre Protagonisten schafft. Auch der Umgang mit den technischen Aspekten dieser Welt ist gut gelungen. Was mir auch gefiel, war der sparsame, aber dennoch intensive, Einsatz der Lovestory. Als Mann fühlte ich mich nicht überfordert. 🙂 Auch die Zeichnungstiefe der Protagonisten war gut. Weniger gut dagegen die der Antigonisten. Sie waren mehr oder weniger Schablonen und hätten mehr verdient. Was mich, leider, immer wieder aus der Lesekruve warf, waren die Mängel in Korrek- und Lektorat. Satzfragmente, unvollständige oder fehlende Wörter, inkonsequente der Du/Sie-Anrede brachten mich immer wieder ins stocken. Sollte es eine zweite Auflage geben, so muss hier nachgebessert werden.
Fazit: Ein durchaus ansprechender Roman, handwerklich sauber und durch die Wahl der Scienfantasy als Stilrichtung für ein breites Publikum interessant. Empfehlung: Kaufen.

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